Online-Andacht

Andacht zur Jahreslosung 2014

Gott nahe zu sein ist mein Glück.

Psalm 73,28

„Ein glückliches neues Jahr“, von diesem Wunsch begleitet durften sicher viele von Ihnen in das neue Jahr 2014 starten. Ja, glücklich sein, das will sicher jeder.
Doch was ist Glück – was bedeutet es für Sie, glücklich zu sein? Kurze Momente scheinen vielleicht vor Ihrem inneren Auge auf – Momente der Erfüllung, gelungene Begegnungen, die Erinnerung an schöne Augenblicke. Und meist haben diese glücklichen Momente etwas zu tun mit anderen Menschen, oder mit dem Gefühl von Freiheit oder einem Naturerlebnis.
Glück, es könnte auch so aussehen wie auf diesem Bild. Zwei Kinder blicken losgelöst, erwartungsvoll, voller Freude dem Sonnenaufgang entgegen. Sie freuen sich über den Augenblick, öffnen sich, lassen das Glück an sich heran. Nicht, dass ich damit sagen will, dass Kinder immer glücklich sind oder zumindest glücklicher wären als wir Erwachsene. Auch Kinder können sehr unglücklich sein.

Mir gefällt an diesem Bild die Spontaneität, das sich Hineingeben in den Augenblick – das haben die Kinder uns voraus, so sah es auch Jesus. Kinder lassen ihrem Glück freien Lauf, sie freuen sich einfach, und denken nicht darüber nach, dass sie bereits im nächsten Augenblick tieftraurig sein könnten.
Vielleicht verkörpern diese beiden Kinder besonders deutlich, was jeder von uns in seinem Leben immer wieder spüren kann: das Glück lässt sich nicht festhalten, es ist da für einen kurzen Augen-blick, aber nicht für immer.
Glück lässt sich nicht mit Geld kaufen. Trotzdem scheint jeder alles dafür zu geben, um glücklich zu werden. Zahllose Ratgeberzeugen davon. Glück durch Entspannung, Glück durch ganz besondere Gaumenfreuden, Glück durch Gesundheit, Glück durch Wellness und Fitness.
Alles scheint sich in der heutigen Zeit ums Glück zu drehen. Und nun hat auch noch die Kirche dieses Thema aufgegriffen – Gott nahe zu sein ist mein Glück. So heißt die Jahreslosung 2014.
Interessanterweise ist der Beter des 73 Psalms mit seinen Worten ganz nahe an dem, was auch die Glücksforscher der heutigen Tage herausgefunden haben: Glück lässt sich nicht mit Geld kaufen, Glück hat vielmehr sehr oft etwas mit unseren Beziehungen zu tun. Allerdings denkt der Psalmbe-tende nicht an geglückte Beziehungen zu anderen Menschen. Sein Glück ist seine Beziehung zu Gott. Er hat erfahren: Gott ist mir nahe, und das macht ihn glücklich.
Vorher musste er nämlich am eigenen Leibe erfahren, wie bitter sich ein Leben anfühlt, in dem man die Nähe Gottes nicht spüren kann. In seinem Leben ohne Gott konnte er nur verbittert und neidisch auf das Glück der anderen sehen. Darüber wurde er selbst immer unglücklicher und entfernte sich auch immer weiter von Gott.
Am Tiefpunkt angekommen wendet er sich an Gott. Und langsam, ganz langsam kommt sein – unter Neid, Verbitterung und Verachtung – vergrabener Glaube wieder zum Vorschein. Seine Blickrichtung ändert sich. Weg von dem neidvollen Blick auf seine Mitmenschen hin zu Gott. Er kann wieder spüren, dass Gott immer hinter ihm steht und mit ihm geht und weiß nun plötzlich, was allein ihn glücklich macht: Gott nahe zu sein ist mein Glück.
Die Nähe Gottes in meinem Leben spüren dürfen, verändert meinen Blick auf mein Leben – so möchte ich diese Erkenntnis für uns umschreiben. Sie macht mich dankbar für das, was ich habe, was mir geschenkt wurde, dankbar für jeden glücklichen Moment in meinem Leben. Dankbar dafür, dass Gott immer in meiner Nähe ist, auch wenn es mir schlecht geht, auch wenn ich unglücklich bin. Ich erkenne: Mein Glück ist nicht einfach nur einem glücklichen Zufall oder meinem eigenen Bemühen geschuldet, nein, es ist ein Geschenk Gottes, es ist Ausdruck seiner Nähe.
Deshalb kann ich mit der Sicherheit, dass Gott mir nahe ist, dankbar den Blick richten auf das, was mich umgibt: Die Menschen, denen ich täglich begegne, den wunderschönen Sonnenaufgang, die Kinder in ihrer Unbefangenheit, die kleinen Glücksmomente, die mir geschenkt sind.
Gott nahe zu sein ist mein Glück. In diesem Sinne wünsche auch ich Ihnen ein glückliches neues Jahr 2014.
Susanne Kießling-Prinz, Pfarrerin

Bildquelle: Wutzler Verlag, www.wutzler-verlag.de

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