Online-Andacht

Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Hebräer 13, Vers 14

So lautet die Losung die uns durch das Jahr 2013 begleiten wird. Wir haben hier keine bleibende Stadt. Genauso wenig bleibend, wie diese Sandburg. Sie erinnert mich an wunderschöne Strandurlaube mit unseren damals noch kleinen Kindern, bei denen wir oft viel Zeit damit verbracht haben, mit Schaufeln, Eimern, Sand und Wasser solche Sandburgen zu bauen – natürlich nicht ganz so aufwändige und schöne, wie diese hier. Wenn man am nächsten Tag dann daran vorbei ging, war fast nichts mehr zu sehen von dem Kunstwerk, die Wellen des Meeres hatten den Sand wieder eingeebnet. Ein sehr treffendes Bild für die Worte unserer Jahreslosung.

Es stimmt, wir haben hier keine bleibende Stadt. Was einmal war, ist nicht mehr. Wenn wir nur bedenken, was wir alles erlebt haben in den Jahren unseres Lebens – wovon wir Abschied nehmen mussten, welche Veränderungen wir miterlebt haben, was an Neuem auf uns zugekommen ist. Unser Leben ist immer in Bewegung, wir haben hier keine bleibende Stadt, so bezeichnet es der Schreiber des Hebräerbriefes. Doch was zählt, was bleibt? Da muss es doch irgendetwas geben, was uns Heimat schenkt, was gleich bleibt, wir können doch nicht immer nur weiterziehen? Die Worte der Jahreslosung wollen uns darauf eine Antwort geben:

Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. Was ist das für eine Antwort? Nichts anderes als eine Vertröstung aufs Jenseits! Meine Heimat soll allein im Himmel sein, fern von hier, von meiner Welt, von meinem Leben? Welchen Wert hat dann mein Leben hier auf Erden, welchen Sinn macht es, wenn nur das wichtig ist, was nach dem Tod im Jenseits kommt, so könnte man den Worten aus dem Hebräerbrief entgegenhalten.

Doch der Blick auf die Sandburg zeigt, dass die Worten der Jahreslosung sehr viel mehr sind als nur ein Vertrösten auf die Ewigkeit. Man sieht es dieser Sandburg an, dass die Menschen, die sie gebaut haben, eine unendliche Mühe darauf verwandt haben, ja dass sie beim Bauen mit Feuereifer dabei gewesen sein müssen. Sie haben es genossen, gemeinsam etwas entstehen zu lassen, sie hatten Spaß an der Sache und sie haben unendlich viel Zeit in dieses Bauwerk investiert. Obwohl sie vorher bereits wussten, dass spätestens nach der nächsten Flut nichts mehr von ihm zu sehen sein wird.

Genauso lädt uns auch die Bibel immer wieder dazu ein, im Hier und Jetzt zu leben, uns an dem Leben zu freuen, das Gott uns geschenkt hat und uns mit Leib und Seele einzubringen. Uns etwas aufzubauen und nach festen Bindungen zu suchen.

Trotzdem soll ich dabei nicht vergessen, dass alles, was ich mir aufbaue, alles, was ich geschaffen habe, vergänglich ist, dass es sich ändern kann und ändern wird. Nur wenn ich dieses Wissen in mein Leben miteinbeziehe, kann ich ohne Angst im Hier und Jetzt leben. Dann kann ich sogar voller Freude und Neugier auf das Neue zugehen, das mir das Leben, das neue Jahr bringen wird. In dem Wissen: Gott ist die große verlässliche Konstante in meinem Leben. Gott bleibt auch im neuen Jahr an meiner Seite und macht mir Mut, zu suchen und zu finden, was mein Leben kostbar macht.

Das gilt auch dort, wo wir keine Zukunft mehr sehen. Auch über den Tod hinaus. Denn am Ende unserer Zeit wird uns Gott dann in seiner Stadt, seiner zukünftigen Stadt begrüßen und empfangen. So bezeugt es der Verfasser des Hebräerbriefes. Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.

 

Susanne Kießling-Prinz, Pfarrerin

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