Farben sind das Kleid Gottes

„Farben sind das Kleid Gottes“ Mir gefällt diese Vorstellung von den vielen bunten Farben in Verbindung mit Gott. Obwohl – eigentlich ist diese Vorstellung seltsam. Wie sollte der, den ich ja nicht sehen kann, wie sollte Gott ein Kleid anhaben? Wie sollte Gott, von dem ich mir eigentlich kein Bild machen darf, bunt sein? Kein Mensch hat Gott jemals gesehen, auch keinem von uns ist er jemals persönlich begegnet und gegenübergetreten. Wie sollen wir dann wissen, wie er aussieht?

Trotzdem, auch wenn wir ihn nicht sehen können, müssen wir uns Gott irgendwie vorstellen können. Müssen wir ihm auf irgendeine Weise begegnen können. Wenn wir gar nichts von Gott wissen, wie sollten wir dann erkennen und spüren, was er mit unserem Leben zu tun hat?

Zum Glück kennen wir viele Geschichten aus der Bibel, die davon erzählen, wie Menschen Gott in ihrem Leben gespürt haben, wie er ihnen geholfen hat, wie er ihnen neue Kraft geschenkt hat, oder wie er sie zum Nachdenken gebracht hat. Aus all diesen Geschichten ergibt sich ein buntes Bild, ein Bild mit vielen unterschiedlichen Farben, die wir mit Gott verbinden können.

Bei der Farbe Grün denke ich natürlich als erstes an unsere Natur. Die Gott so wunderbar geschaffen hat. So selbstverständlich ist uns unsere grüne Natur, dass wir es fast übersehen: was Gott tagtäglich in unserer Leben bewirkt. Doch das Grün ist lebensnotwendig für uns. Grün erhält uns am Leben und gibt uns die Kraft, die wir zum Leben brauchen. Die Grünkraft Gottes ist Lebendigkeit. Und sie erzählt uns davon, dass auch wenn etwas abstirbt wieder neues Leben entstehen kann. Dass auch nach Leid und Trauer wieder etwas Neues wachsen kann. Ja, Grün ist auch die Farbe der Hoffnung.

Bei Gelb denke ich an Licht, an die Sonne und an Wärme. „Licht ist dein Kleid, das du anhast, Gott“, heißt es im 104. Palm. Und es passt gut zu den Worten, die Jesus Christus gesprochen hat: „Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ Die gelbe Farbe sagt uns, dass Gott uns Licht in den Dunkelheiten des Alltags sein will. Er schenkt uns Lebenskraft, so wie wir sie täglich durch die Kraft der Sonne erleben. „Gott lasse sein Angesicht leuchten über euch“ – so sagen wir es beim Segen. Ich stelle mir vor, dass mich dieses Leuchten begleitet und ich es spüren kann, auch wenn ich nach dem Gottesdienst wieder nach Hause gehe.

Bei Rot denke ich sofort an ein Herz, an Leben und Liebe. Und Gott ist ja auch nichts anderes als Liebe. Dieses Rot, das von Gott ausgeht, kann man zwar nicht sehen aber man kann es spüren. Wir spüren es in unserem eigenen Leben. Aber auch überall dort, wo Menschen einander etwas Gutes tun, wo Liebe zwischen ihnen herrscht, überall dort, wo sie die Liebe weitergeben, ist Gott da. Spürbar da. Gott ist wie die rote Liebe, die nicht fragt, wer wir sind und was wir geleistet haben, sondern die uns bedingungslos annimmt.

Blau ist die Farbe des Wassers oder des Himmels, wenn nicht dunkle Wolken ihn verdecken. Wasser ist Leben. Ohne Wasser können wir nicht leben. Aber Wasser fließt auch. Es ist immer in Bewegung. Wie auch Gott nichts Statisches, Festes ist, sondern immer in Bewegung, im Fluss ist. Er bewegt sich mit uns, geht mit uns durch das Leben. Dies beginnt in der Taufe. In dem Wasser der Taufe verspricht Gott uns: Du gehörst mir. Du kannst dich auf mich verlassen. Ich bleibe dir treu. Ein Leben lang. Diese Treue Gottes ist etwas Schönes. Schön wie der weite blaue Himmel. Und so steht die Farbe Blau auch für den unendlich weiten Himmel. Weit weg aber auch nah da. Wir sind mitten drin.

Farben sind das Kleid Gottes – aber sie sind auch unser Kleid, denn Gott hat uns Menschen ja zu seinem Ebenbild geschaffen. Auch unser Kleid ist deshalb bunt. Auch wir Menschen können anderen zum Licht für ihr Leben werden. Wir geben Liebe weiter, wir können immer wieder neu werden und neu anfangen. Und wir sind eingebunden in die unendliche Weite des Himmels.

Doch nicht nur jeder einzelne von uns trägt ein buntes Kleid. Wir alle bilden zusammen eine bunte Gemeinschaft. Jeder von uns ist anders, Junge, Mädchen, Frau, Mann, klein, groß, weiße Hautfarbe, schwarze oder gelbe Hautfarbe, hier geboren oder von weit her gekommen, mit diesen oder jenen Eigenschaften. Jeder ist anders. So wie wir sind bilden wir alle eine bunte Gemeinschaft. In der jeder gleich viel wert ist und jeder zu der Farbenpracht beiträgt. Ein schönes buntes Bild.

Susanne Kießling-Prinz, Pfarrerin